Der Herbst. Ein Überlebenskünstler.

Der Herbst. Ein Überlebenskünstler.

Der Herbst gibt Hoffnung. Der Herbst ist ehrlich. Der Herbst ist ein Überlebenskünstler. Ich mag den Herbst. Genau wegen dieser Attribute ist er eine meiner liebsten Jahreszeiten. Der Herbst zeigt, dass loslassen befreiend ist.

Es ist doch so. Wir haben alle Albtraumsgestalten, unerwünschte Dämonen, die den Alltag trister machen. 27 Jahre ging ich durchs Leben mit einem Bein in der Vergangenheit hinkend. Die Gegenwart unbeschwert zu erkunden schien unmöglich. Auf der Flucht vor meinen Albtraumgestalten suchte ich mein Glück in der Zukunft. Ich merkte nicht, das die Gegenwart immer weiter in die Ferne rückte und ich mich tiefer in der Vergangenheit verirrte. Und irgendwie zog das Leben an mir vorbei.

Der Herbst leitet in all seiner Pracht eine dunkle Zeit ein. Er sammelt seine Kraft und Energie und strahlt in wunderschönen Rot-, Gold- und Bronzetönen um dann loszulassen. Er entlädt sich der Dämonen, die sich in den vergangenen Jahren, Monaten und Wochen an ihn genagt haben. Die Blätter fallen, werden faulig und kämpfen einen letzten Kampf. Einen aussichtslosen Kampf, denn der Herbst ist stärker.

In einem stillen Moment vor einem Jahr erkannte ich den Herbst als Vorbild. Ich entschied mich für ein Leben in der Gegenwart und genau wie der Herbst den Kampf gegen die Albtraumsgestalten aufzunehmen.

Albtraumsgestalten sind Schatten eines vergangenen ichs. Es ist schwer sich von Ihnen zu trennen. Ich würde gar behaupten unmöglich. Als stiller Beobachter der wechselnden Jahreszeiten wurde mir bewusst, dass ich mich gar nicht trennen musste. Loslassen. Loslassen war das Ziel. Eins mit sich selbst werden. Der Augenblick in dem der Herbst seine Blätter loslässt, ist der Moment in dem er zu sich selbst findet. Es ist eine dunkle Zeit, weil die Erkenntnis schmerzt und das loslassen viel Kraft und Energie kostet. Eine Erkenntnis schleicht sich oft heimlich an und lässt sich langsam und unbemerkt nieder. Ich reflektierte Jahre über Jahre ohne einen Ausweg zu sehen. Und auf einmal ist sie da. Ein Lächeln schleicht sich auf mein Gesicht, die schwere Last der Dämonen wird zur Erinnerung. Für einen kurzen Moment bin ich schwerelos.

Es gibt auch heute noch Tage, da sehe ich mich eher in der Vergangenheit. Tage an denen ich mich an ein Zukunftsbild voller Glückseligkeit und Freude klammere. Der Tag an dem ich anfing meine Dämonen als Wegbegleiter zu erkennen, war der Tag an dem ich ein Stückchen weiter zu mir selbst fand. Den Herbst als Vorbild zu sehen ist ein befreiendes Gefühl. Er zeigt mir, dass alles gut wird.

Love,
Cathrin

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