Let your heart go wild – 5 Tage Andalusien pur

Spanien und ich werden in diesem Jahr wohl ziemlich beste Freunde. Unsere Wege kreuzten sich in den letzten sechs Monaten gleich mehrmals. Im Januar schlenderte ich noch durch Barcelonas Altstadt, im Mai verspürte ich die ersten Sommergefühle auf Ibiza und vor einer Woche durchquerte ich mit dem Auto halb Andalusien.

Unsere Reise begann an einem heissen Donnerstagnachmittag. An die genauen Temperaturen erinnere ich mich nicht mehr. Wir fuhren mit dem Zug aus Zürich nach Basel, um dort in den Flieger nach Spanien zu steigen. Genaues Ziel: Málaga. Die Flugzeit beträgt 2.5 Std und ist ideal für ein kurzes Schläfchen, Reiseführer-Lesezeit oder einen Besuch auf Netflix. Den Film solltet ihr unbedingt vorher schon runterladen, sonst wird es nämlich nichts mit dem Besuch.

Málaga & Liebesgefühle

Am recht überschaulichen Flughafen folgten wir direkt den Schildern Richtung Hertz-Schalter. Erinnert ihr euch noch an das Gefühl eine Wundertüte zu öffnen? Als Kind fand ich es unglaublich aufregend und spannend. Genauso fühle ich mich, wenn ich vor dem Autovermieter stehe. Der einzige Unterschied: ich kenne die Kategorie also die Wagen Klasse, aber ich weiss nicht, welches Gefährt am Ende mein treuer Urlaubsbegleiter sein wird. Dieses Mal wurde es ein Opel Adam. Es war Liebe beim ersten Schalten.

Natürlich gab es einen Grund für den erneuten Besuch auf der Iberischen Halbinsel. Die ersten zwei Tage unserer kleinen Reise waren wir als Hochzeitsgäste unterwegs. Eine Schulfreundin von Herrn Patrick wollte sich in einer spanischen Kapelle in der Provinz Cádiz in San Pablo de Buceite das Ja-Wort geben. Die Hochzeit war ein Traum. Die Braut wunderschön. Die Dekoration verspielt. Ich fand es traumhaft. Das aber erst an Tag zwei unserer Reise.  Also: Re-wind.

Abenteuerlich unterwegs in Jimena de la Frontera

Auf dem Reiseplan stand als erstes Jimena de la Frontera. Ein Paradies für Naturfreunde und Wanderlustige. Am besten lässt sich die abwechslungsreiche Flora nämlich auf den zahlreichen Wanderwegen bewundern. Die Wege führen vorbei an Korkeichen, Weideland und Flüssen mit natürlichen Schwimmbecken aus Stein. Ansonsten bietet das historische weisse Dorf noch die Ruinen des maurischen Castillos, welches hoch oben über den Dächern auf den Felsen thront. Die Aussicht fantastisch: Mit etwas Glück und den richtigen Wetterverhältnissen erhascht man in der Ferne sogar einen Blick aufs Meer und das afrikanische Festland.

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Mein erstes Zusammentreffen mit Jimena da la Frontera war abenteuerlich. Auf der Suche nach einem Parkplatz folgte ich mit meinem kleinen Opel Adam, wie ein Möchtegern James Bond, das verwinkelte Einbahnsystem. Es war Mitternacht. Ergo stockduster. Irgendwann bog ich wohl in die falsche Strasse ab, denn irgendwie ging es weder vor noch zurück. Die enge Gasse zu steil um rückwärts wieder raus zu fahren. Vor mir eine scharfe Linkskurve. Tja und hinter der Kurve, da verbarg sich eine Treppe. Natürlich führte auch diese Steil den Weg hinunter. Gerade breit genug für den Mietwagen. Mein Herz raste. Was soll ich sagen, Augen zu und durch ist die Devise eines Abenteurers, richtig? Bei 10 Km/h fuhr ich jede Stufe im Schneckentempo hinunter. Ich dachte mein Herz bleibt stehen. Dieses Fahrmanöver sollte jedoch gut Enden. Weder das Auto hatte einen Kratzer noch blieb mein Herz stehen. Und thank goodness waren wir nur wenige Minuten später wieder am Anfang der Einbahnstrasse, wo nun auf dem grossen Parkplatz, an dem nur ganz nebenbei unsere Suche begann, durch pures Glück doch ein Platz frei geworden ist. Fantastisch. Danke liebe Ironie! Du hattest sicher einen Heidenspaß.

Safety First!

Was ich mit der kleinen Anekdote verdeutlichen möchte. Wer ein Auto mietet sollte immer festes Schuhwerk anhaben. Flip-Flops sind bei den extrem steilen und schmalen Gassen ein absolutes No Go. Ich würde auch empfehlen, die Mautstrassen und Autobahnen zu vermeiden. Andalusien hat wirklich tadellose Hauptstrassen. Sie sind zwar sehr kurvenreich und oft kann man nicht schneller als 50 Km/h fahren, aber wenn ich mich richtig erinnere bin ich über fast kein Schlagloch gefahren und so bekommt ihr den besten Eindruck von der malerischen Landschaft. Last but not least, bucht bei der Anmietung definitiv den SuperCover, also den Rundumschutz. Bei den Strassenlabyrinthen in den kleinen Dörfern weiss man nämlich nie was einen erwartet.

Zurück zu Jimena de la Frontera. Es ist eine kleine Stadt und überall tummeln sich die Gäste des Hochzeitspaares. Es ist gemütlich und durch den Wind sind die heißen Temperaturen doch sehr angenehm. Die Stadt ist schnell erkundet und wäre es nicht für die Hochzeit, wären wir hier wohl nur einmal mit dem Auto durch gefahren. Wären angehalten, hätten einen Spaziergang zum Castillo gemacht. That`s it. Nicht mehr.

Meerzeit

Irgendwie zieht mich das Küstenkind in mir ans Meer. Nach der Hochzeit an Tag 3 beschliessen wir das Hinterland für einen Tag hinter uns zu lassen und düsen mit offenen Fenstern und lauter Musik gen Tarifa. Absolutes Urlaubsziel für Wellenreiter und südlichste Stadt des europäischen Festlandes. Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie meine Sehnsuchtsblicke nach Marokko wandern. Afrika befindet sich in just diesem Moment nämlich nur 14 Km von mir entfernt. Die Fähre rüber nach Tanger, konnten wir dennoch nicht nehmen. Dafür reichte die Zeit einfach nicht. Ich bin mir aber sicher, es lohnt sich in jedem Fall bei einem längeren Aufenthalt marokkanisches Flair zu schnuppern. Wer lieber britische Luft einatmen möchte, besucht Gibraltar mit den roten Telefonboxen und Pubs. Ist auch sehr interessant.

Part II in Andalusien

Eine 2.5 stündige Fahrt entfernt (Mautstraßen und Autobahnen exklusive) ist unsere nächste Airbnb Unterkunft in Benalauría. Ich war schon auf den Bildern im Internet verzückt. Ein kleine Wohlfühloase über den Dächern des Dorfes mit mini Dachterasse. Einfach alles war perfekt. Ich war glücklich. Herr Patrick war glücklich und wir hatten die schönste Zeit.

Benalauría war unser Ausgangspunkt um zumindest ein paar der weißen Dörfer und Städtchen auf der Ruta de los Pueblos Blanca zu erkunden. Alle sind ursprünglich, verträumt und durch die Kalkfassaden blendend weiß. Farbige Blumen strahlen im ganzen Ort und klettern die Hauswände hinauf. Die Strassen treffen sich an versteckten großen Plätzen an denen sich Cafés und Bars aneinanderreihen. Du suchst dir ein gemütliches Plätzchen und genießt die Aussicht über den Naturpark Sierra de Grazilema oder den Sierra de las Nieves. Beste Voraussetzungen für einen gelungenen Urlaubstag.

Zwei Orte möchte ich hier besonders hervorheben. Zum einem ist es das künstlerische Dorf Genalgaucil und die drei Brückenstadt Ronda, 120m über der tiefen Schlucht Tajo.

Alle zwei Jahre treffen sich die Künstler der umliegenden Ortschaften in Genalgaucil und arbeiten gemeinsam an Projekten die im ganzen Dorf ausgestellt werden. An Hausfassaden, auf Podesten vor atemberaubenden Aussichtspunkten, an Brunnen usw. Ihr könnt es euch vielleicht vorstellen. Hinter jeder Kurve versteckt sich ein neues Kunstwerk, sei es eine Skulptur oder Graffiti. Vielleicht ist es sogar ein kleiner Geheimtipp unter den weißen Dörfern, denn viele Seelen verschlägt es hier nicht hin.

Nun zu Ronda. Ronda ist bekannt und vielleicht hast du ja auch schon mal von der Stadt erbaut inmitten der Berglandschaft Serranía de Ronda gehört. Hemingway hat die Stadt geliebt. Orson Welles auch. Und sogar Rilke hat an diesem Ort versucht mit seiner Schreibblockade zu brechen. Für Schreiber eine absolute Inspirationsquelle. Ich wollte genau dort hin. Die Stadt ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zu erreichen und auch die Fahrt mit dem Auto über die A376 oder A367 sind easy zu folgen. Herzstück der historischen Stadt ist die Puente Nuevo, die neue Brücke, welche den alten und neuen Stadtteil verbindet. Diese Brücke ist sehr eindrucksvoll und ein richtiges Schmuckstück. Wer südlich der Brücke die Straße entlang schlendert kommt auf einen kleinen Pfad. Unbedingt folgen. Dieser führt nämlich hinunter zur Schlucht und weiter zu einem kleinen Wasserfall.

In Ronda kann man übrigens auch Sonnenuntergänge zelebrieren. Das Panorama ist absolut überwältigend. Wer Sonnenuntergänge mag, sollte hierher pilgern. Es lohnt sich. Wirklich! Versprochen.

Wenn ihr euch für einen Road Trip durch Andalusien entscheidet solltet ihr unbedingt viel Zeit einplanen. Fünf volle Tage sind definitiv nicht genug. Andalusien ist gross und Distanzen sollten nicht unterschätzt werden. Die grossen Städte wie Cadiz, Granada, Sevilla oder Cordoba haben wir uns für eine weitere Reise aufgespart, denn nebst der Hochzeit blieben uns faktisch nur noch drei Tage, die wir hauptsächlich damit verbrachten die Natur rund um Ronda und die vielen weißen Dörfer zu erkunden.

Andalusien ist wilde Natur, süsslich-frisch duftend von den Orangen- und Zitronenbäumen und bunt. Die verschiedensten Erdtöne wechseln sich zwischen Berg- und Weidelandschaften ab. Ich möchte hier nicht weg und unser Urlaub bleibt lediglich ein kleiner Vorgeschmack auf all das schöne und abwechslungsreiche, was Andalusien zu bieten hat.

Love,
Cate

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