Travel Diary: Geburtstag in Lissabon

Es wurde langsam Zeit wieder etwas von der Bucket List zu streichen. Der Anlass: mein 30`er Geburtstag. Das Ziel: ganz eindeutig Lissabon. Für 4 1/2 Tage haben wir uns einiges vorgenommen. Auf unserer Agenda stand der wohl schönste Strandabschnitt der Welt, ein Märchenschloss in Sintra und natürlich eine Entdeckungstour durch Lissabon.

Tag 1.

Es ist Samstag 4 Uhr morgens als wir endlich in unserer Unterkunft, im westlichen Stadtteil der portugiesischen Hauptstadt, in Belém, ankommen. Wir sind müde. Erschöpft von der langen Reise schmeißen wir uns direkt ins Bett. Die späte Ankunft konnte die Vorfreude auf das bevorstehende Abenteuer nicht trüben. Die Unterkunft: ein kleines gemütliches Appartement mit allem was man braucht mitten in Belém! Nähere Informationen gibt es auf Airbnb.

Den ersten Tag verbrachten wir in Belém. Von der Wohnung aus spazierten wir runter in den Kern des historischen Stadtteils, aus dessen Hafen vor langer Zeit viele Abenteurer in See stachen, um neue Länder und Kulturen zu entdecken. Genau der richtige Ort für mich. Abgelenkt von einem Pfau zog es uns erstmal hinein in den verwunschenen botanischen Garten Jardín Botánico Tropical. Es ist einer der größten Gärten der Stadt. Ein vergessener Ort von trauriger Schönheit. Der Chinesische Garten wuchert vor sich hin und tropische Pflanzen und Sukkulenten wachsen aus den alten Glashäusern hinaus und erobern langsam aber stetig den restlichen Garten. Hühner und andere Vögel teilen sich mit uns die Wege und ich laufe wie ein vernarrter Groupie den Pfauen hinterher. Ich trage leise die Hoffnung, dass zumindest einer seine wunderschöne Federkrone für mich wirft.

Nicht jeder Garten muss gepflegt sein, um schön oder sogar großartig zu sein. Mit 2€ Eintritt ist dieser vergessene Garten eine absolute Empfehlung von mir für jene Entdecker, die verwunschene, leicht schäbige Plätze mögen.

Wir setzten die Urlaubsflaniererei zum Hafen fort und bahnten uns den Weg zum Torre de Belém am Ufer des Tejo. UNESCO Kulturerbe und einfach nur jaw-dropping atemberaubend. Der Torre de Belém ist nicht das einzige Kulturerbe in Belem. Auch das Hieronymuskloster, Mosteiro dos Jerônimus, ist Kulturerbe, allerdings haben wir das nur von außen bestaunt. Ein weiteres Must sind die Pastéis de Nata. Es sollten aber unbedingt die Pastéis de Belém sein, die du probierst. Goldenes Glück in Form von kleinen Vanilleblätterteigtörtchen. Serviert werden die Törtchen warm mit etwas Puderzucker und Zimt. Die Füllung: eine Vanillepuddingcreme. Geheimrezept versteht sich. Sie schmecken himmlisch und irgendwie nach Weihnachten. Und in nur wenigen Sekunden bin ich verzückt im Food Himmel angekommen. Das goldene Glück kostet auch übrigens gar nicht so viel. Wenn ich mich richtig erinnere 1,40€ pro Törtchen.

Beendet haben wir den Tag in der LX Factory. Ein kleines Kreativ-Viertel zwischen Lissabons Innenstadt und Belém, im Stadtteil Alcântara. Hier befinden sich kleine Concept Stores und Second Hand Läden, kreativ Work Spaces, Cafés und Restaurants. Dieses alte Fabriksgelände hat es mir so richtig angetan. Der Putz bröckelt von den Fabrikwänden und auch obwohl sich nur ein paar Touristen dorthin verirrten, mich eingeschlossen, wirkte es sehr authentisch und lokal. Weitere Highlights waren das Café Landeau Chocolate und der Bücherladen Ler Devagar. Im Café Landeau teilten Herr Patrick und ich den köstlichsten Schokoladenkuchen, während ich erste Impressionen in mein Reisetagebuch schrieb. Die Atmosphäre: Gemütlich. Katie Melua singt im Hintergrund von Herzschmerz und ich teile meine Leidenschaft zum Schreiben gerade mit einer Asiatin, die auch in ihr Reisetagebuch schreibt. Eine Gemeinsamkeit, die uns zumindest für den Augenblick in einer fremden Stadt verbindet. Tja und dann war der Schokoladenkuchen auch schon weggeputzt. Teller leer. Der Kuchen war eine Geschmacksexplosion und obwohl er sehr schwer aussah, lag er gar nicht schwer im Magen. Ich wüsste da jemanden, meine liebe Kimspiriert, die direkt einen Zweiten verputzt hätte. Der Bücherladen Ler Devagar wurde von der New York Times zu einen der zehn schönsten Bücherläden der Welt gekürt. Ich habe schon in vielen Bücherläden und auch Bibliotheken meine Zeit verbracht und ich muss dem zustimmen. Dieser Bücherladen ist etwas ganz besonderes. Verwinkelt und irgendwie magisch. Die Bücher stapeln sich bis unter die Decke, die zwei Cafés und auch die Sitzmöglichkeiten laden zum stöbern und lesen ein. Ich fands klasse. Beide Daumen hoch. Zumindest meinerseits, denn Herr Patrick fand den Bücherladen zwar schön, aber doch nicht so besonders. Einfach mal selbst vorbeischauen würde ich sagen.

Die LX Factory ist ein sehr charmanter und einladender Ort direkt unter der Brücke des 25. April an der Rua Rodruiges de Faria. Wir sind am ersten Tag alles zu Fuss abgelaufen, deshalb kann ich an dieser Stelle keine Bus oder S-Bahnen empfehlen.

Tag 2

Was soll ich sagen, die Pastéis de Belém sind einfach unwiderstehlich. Ich hätte mir zum Frühstück nichts besseres wünschen können, als ein kleines Vanilletörtchen. Mit dem Mietwagen wartete ich vor der Fabrica de Pastéis de Belém auf Herrn Patrick, der für unseren Tagesausflug nach Cascais, ein kleines Küstenstädtchen 25 Km westlich von Portugal direkt am Atlantik, unser Frühstück besorgte.

Wir waren recht früh unterwegs, also hatten wir Cascais fast für uns allein. Wir schlenderten am Hafen entlang, durch die kleine Fussgängerzone, verweilten ein wenig am Strand und das wars auch schon. War ganz nett. Nach einem kurzen Abstecher zum Boca de Inferno, einer Schlucht in den Klippen vor der Stadt, zogen wir weiter. Cascais ist mit dem Auto innerhalb 30 Minuten zu erreichen. Die Parkgebühren waren ok und vor dem Boca de Inferno sogar gratis. Den restlichen Tag verbrachten wir am Praia da Ursa. Mehr über den wohl schönsten Strand der Welt könnt ihr hier nachlesen.

Tag 3

Der zweite Tagesausflug führte uns nach Sintra, Município und gleichnamige Kleinstadt ca. 40 Min. mit dem Mietwagen von Lissabon entfernt. Züge fahren wohl regelmäßig im 15 Min. Takt, aber auch darüber kann ich keine genauen Auskünfte geben. Die Freiheiten eines Mietwagens und das Fahren sind für mich, wie soll ich es beschreiben, naja das Non plus ultra eben.

Die umgebende Landschaft: Malerisch. Ich: hin und weg. Einfach verliebt. Schon wieder hat eine Destination seinen Weg in mein Herz gefunden. Sintra hat mich mit seinen engen, verwinkelten Gassen, leicht verfallenen Residenzen und bunten Farben in seinen Bann gezogen.

Es gab genau eine Baustelle im Ort. Unser Navi hat ständig versucht uns dorthin zu leiten und so sind wir gefühlt den gleichen Umweg 10x gefahren, weil es irgendwie Ausgangspunkt oder Schnittstelle für all unsere Wunschorte in der kleinen Stadt war. Naja an unser Ziel sind wir dennoch gekommen und haben durch die vielen Umwege recht viel gesehen. Wir wollten zum Pâlacio da Nacional da Pena, Märchenschloss auf einem Hügel in Sintra. Eintrittspreis: 14€. Ganz schön happig, wenn ihr mich fragt. Trotzdem bekommt man einiges für sein Geld zu sehen, z.B. den absolut vielfältigen Park mit kleinen Bächen und Seen, Rosengärten und Glashäusern. Naja und natürlich das Märchenschloss.

Ein weiteres Märchenschloss fanden wir im Quinta da Regaleria und dem anliegenden Garten der Quinta. Ein romantischer und mystischer Garten mit unterirdischen Grotten, Springbrunnen, Aussichtspunkten, Wendeltreppen und dem wasserlosen Brunnen, dem soggenanten Initiierungsbrunnen . Dieser führt über eine Wendeltreppe 27 Meter in die Tiefe. Er gleicht einem invertierten Turm. Es ist feucht und dunkel. Die unebenen Stufen rutschig. Wer wackelig auf den Beinen ist, sollte den Abstieg eher vermeiden und den Brunnen durch die versteckten unterirdischen Tunnel im Garten aufsuchen.

Um dieses Märchenschloss zu besuchen, sich in den Gärten und Tunneln zu verirren braucht man lediglich 6€ und ca. 3 Stunden seiner Urlaubszeit zum Erkunden und Entdecken. Das Herrenhaus ist in nur wenigen Gehminuten aus dem Zentrum Sintras zu erreichen. Wer mit dem Auto unterwegs ist, kann am Straßenrand oder an den zahlreichen Parkplätzen am Haus ein sicheres Plätzchen finden.

Tag 4

Mein 30’er Geburtstag und letzter voller Tag in Lissabon. Tagesplanung: Keine. Wir wollten einfach drauf los schlendern, mal mit der E28 fahren, ansonsten einfach mit der Dynamik der Stadt gehen und sehen wo uns dieser Fluss so hintreibt.  Wie eigentlich immer war also wenig für den Städtetrip geplant, denn ich ziehe es vor der Stadt die Führung zu überlassen. Wir folgten Geräuschen, Gerüchen und Menschen, um so einen möglichst authentischen Eindruck der Stadt zu bekommen.

Um den Fußgängern das Leben zu vereinfachen wurden in der Stadt drei Standseilbahnen gebaut. Wir haben zwei davon aufgesucht und mit einer sind wir gefahren. Von der Unterstadt Baixa sind wir mit dem Ascensor da Gloria hinauf in den Stadtteil Bairro Alto gefahren. Die Tickets, gültig für zwei Fahrten, für fast 4€ , sind für die kurze Strecke doch ziemlich teuer. Könnte man also auch laufen. Fotoschießer haben nach meinem Empfinden größere Freude am Ascensor da Bica.

Die Fahrt mit der E28 war enttäuschend. Die Bahn ist sehr überfüllt und besonders an heißen Tagen lohnt sich eine Fahrt nicht. Die Fahrt zu genießen ist fast unmöglich. Eingequetscht zwischen anderen Fahrgästen, versucht der Reisende sich während der holprigen Fahrt einen sicheren Stand in der kleinen Straßenbahn zu sichern. Es ist schwierig einen Blick aus dem fahrenden Objekt auf die Stadt zu erhaschen. Die Wartezeit von teils 45 Min lohnt sich definitiv nicht. Leider einen Daumen runter an dieser Stelle meinerseits. Kostenfaktor: Ein Einzelfahrschein beträgt 2,85€. Fahrscheine können entweder beim Fahrer oder am Automaten gekauft werden.

Gegen Nachmittag wanderten wir die alten Gassen in Alfama hinauf zum Castelo de São Jorge, Burgruine und alte Festungsanlage. Natürlich ist auch diese Sehenswürdigkeit nicht gratis. Der Besucher zahlt 8,50€ und es sollten ca. 1,5 Std. Aufenthalt für einen Besuch eingeplant werden. Dann hat man so ziemlich alles gesehen, ist die Festungsmauern rauf und runter gelaufen und konnte dabei auch mehrere Blicke über das gesamte Stadtbild schweifen lassen. Letzteres ist sowieso das Beste an einem Besuch im Castelo de São Jorge. Die 360° Aussicht ist schlichtweg atemberaubend.

Da es mein Geburtstag war entführte Herr Patrick mich zum Abendessen über den Dächern Lissabons ins Chapitô à Mesa, ehemaliges Frauengefängnis, heute das Restaurant einer Zirkusschule. Der Eingang versteckt in einem kleinen Geschäft. Die Einrichtung verspielt und verzaubernd. Wichtig: Vegetarier und Veganer werden dieses Restaurant unglücklich verlassen. Auf der Karte gibt es hauptsächlich Fisch, ein paar Fleischgerichte und das wars. Keine Alternativen. Der Nachtisch hat mich auch nicht überzeugt. Die Aussicht dafür um so mehr. Mit direktem Blick zur Ponte 25 de Abril und dem Tejo, ist es eigentlich gar nicht schlimm, dass das Essen am Ende nicht 100% überzeugt.

Tag der Abreise.

LX Factory here we come. Es war so schön, also mussten wir nochmal hin. Wir kauften im Interieur Geschäft noch eine extra Tasse zu meinem Keramik Geschirr, weil nur eine fand ich dann doch irgendwie zu wenig und frühstückten ein letztes Mal in Lissabon. Frühstücksort: WISH Slow Coffee House. Wunderschönes Café und gleichzeitig auch Concept Store.

Und so schnell war unsere Zeit auch schon wieder vorbei.

Meine Empfehlung. Wer länger als 3 Tage in Lissabon unterwegs ist, sollte sich ein Auto mieten oder sich in den nächsten Zug nach Sintra setzen und auch die umliegenden Küstenstädtchen sind absolut einen Besuch wert und Sintra sowieso.

Love,
Cate

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